Vater & Sohn

Neulich, bei den Neuburgers am Küchentisch …

THOMAS: Wie hat das eigentlich angefangen, mit Hermann?

HERMANN: Wie alles immer anfängt. Mit Zweifeln. Je stärker sich die Tierhaltung in Richtung Massentierhaltung entwickelt hat, desto mehr Zweifel kamen in mir auf.

THOMAS: Die Sinn-Frage sozusagen.

HERMANN: Ja, wenn du so willst. Jedenfalls habe ich nach und nach begonnen, mich nach Alternativen umzuschauen. Sie mussten aber möglichst natürlich und ökologisch vertretbar sein.

THOMAS: Stimmt, ich erinnere mich, das ist etwa zehn Jahre her.

HERMANN: Wir wissen ja heute, dass eine ausgewogene Ernährung nicht jeden Tag Fleisch braucht. 2–3 Mal pro Woche reicht völlig. Also habe ich mich entschieden, einen ganz neuen Weg zu gehen.

THOMAS: Das waren am Anfang ziemlich leidenschaftliche Diskussionen in der Familie. Es hat schon etwas gedauert, bis wir alle überzeugt waren.

HERMANN: Naja, durch das Wirtschaftsstudium und deine späteren Erfahrungen im Dienstleistungsbereich hattest du ja noch keinen tieferen Einblick in die Welt der Fleischwarenerzeugung.

THOMAS: Aber wenn du dir mal was in den Kopf gesetzt hast, dann lässt du nicht locker. Das hat mir übrigens immer imponiert.

HERMANN: Ich bin sehr froh darüber, dass wir heute an einem Strang ziehen.

THOMAS: Ich hätte nie gedacht, wie schwierig es ist, ein neues Produkt zu entwickeln, das Fleisch so nahekommt.

HERMANN: Und vor allem, ohne dass man E-Nummern bzw. Zusatzstoffe und Aromen oder fragwürdige Herstellungsweisen einsetzt.

THOMAS: Als wir den Kräuterseitling für unser Produkt entdeckt haben, das war der Durchbruch. Ein edler Speisepilz, mit der richtigen Konsistenz.

HERMANN: Und das Wichtigste ist, dass es schmeckt! Denn wer will schon auf Genuss verzichten?

THOMAS: War es eigentlich deine Entscheidung, Fleischer zu werden?

HERMANN: Nein, früher war es selbstverständlich, dass der älteste Sohn der Familie als Nachfolger den Betrieb des Vaters übernimmt. Mit deiner Ausbildung hast du übrigens eine sehr gute Voraussetzung zur Führung des Unternehmens.

THOMAS: Und mit Hermann.

HERMANN: Genau. Damit kannst du unseren Familienbetrieb in eine gute Zukunft führen – in eine fleischlose Zukunft!

THOMAS: Vom Fleischer zum Pilzzüchter.